Bevor du ein Objektiv kaufst, frage dich immer:

„Was will ich fotografieren?“

Objektive gibt es mittlerweile in großer Vielfalt: Canon hat über 100 verschiedene Modelle, Nikon ähnlich, dazu kommen Fremdhersteller wie Sigma, Tamron oder Tokina. Qualität, Lichtstärke, Autofokus und Einsatzbereich unterscheiden sich deutlich.

Einsatzbereich

  • Natur / Landschaft:
    • Weitwinkelobjektiv und Teleobjektiv decken die meisten Szenarien ab.
    • Klassischer „mittlerer“ Brennweitenbereich (24–70 mm Vollformat) wird selten benötigt.
    • Für Wildlife oder scheue Tiere: Teleobjektiv ab 300 mm oder länger, aber sehr teuer.
  • Makro / Nahaufnahmen:
    • Wer gerne Blumen oder Insekten fotografiert, wird sich wahrscheinlich irgendwann ein sogenanntes Makroobjektiv kaufen wollen, um sehr nahe an die gewünschten Motive heran zu kommen. Gute Einstiegsbrennweiten sind hier sich um die 100 mm, wer eher scheue Motive hat, wird wahrscheinlich ein 150 mm Makro bevorzugen (aufgrund des größeren Abstands bei gleicher Abbildungsgröße).
  • Porträts / Reportage:
    • Fotografiere ich Menschen (Portraits & Reportage), so wird der oben erwähnte „mittlere“ Brennweitenbereich (24–70 mm Vollformat) ein guter Ausgangspunkt sein. Für klassische Portraits wird man sich wahrscheinlich ein Objektiv mit etwa 100 mm bis 130 mm wünschen, nach Möglichkeit mit sehr offener Blende, um den Hintergrund schön unscharf/verschwommen darstellen zu können. Klassisch sind hier sicher 85 mm, 105 mm und 135 mm Objektive mit sehr offener Blende von f/1.4 bis f/2, teils sogar f/1.2 (Brennweiten bezogen aufs Vollformat). Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Zoom-Objektive als leichtere, günstigere Alternative, die eine Brennweite von 70-200 mm mit Blende f/2.8 oder f/4 haben.
  • Architektur / Innenräume:
    • Für Architektur gehört ein gutes Weitwinkelobjektiv zur Grundausstattung. Gerade in der Architekturfotografie gibt es aber für alle möglichen Objektivbrennweiten Verwendung und es gibt spezielle Objektive, wie Tilt-Shift Objektive, um perspektivische Korrekturen möglich zu machen.
  • „All-in-One“:
    • Zoom wie 28–300 mm (Vollformat) oder 18–200 / 18–300 mm (APS-C)
    • Vorteil: flexibel; Nachteil: nie optimal in Bildqualität oder Lichtstärke

       

Ein Objektiv oder mehrere?

  • Mehrere Objektive mit kleineren Brennweitenbereichen bzw. einer fixen Brennweite liefern bessere Bildqualität als ein Alleskönner-Zoom.
  • Kit-Objektive (z.B. 18–55 mm) sind für Einsteiger ok, bieten aber eingeschränkte Leistung in der Bildqualität.

     

Blende

  • viele Objektive haben eine variable Blende: z.B. f/3.5–5.6
  • Objektive mit einer durchgehenden Blende z.B. von f/2.8 über den gesamten Zoombereich sind besser bei schlechtem Licht und fürs Bokeh.
  • Bei Landschaft & Architektur ist eine Offenblende oft weniger wichtig (Blende f/8–f/11 üblich)
  • Bei Portraits & Low-Light sind Objektive mit sehr offener Blende von zB f/1.2–f/2.8 sinnvoll

     

Zoom oder Festbrennweite

Zooms sind Objektive, die einen gewissen Brennweitenbereich abdecken. Festbrennweiten haben, wie der Name schon sagt, nur eine fix festgelegte Brennweite. Zooms sind oft praktischer, weil man nicht ständig das Objektiv wechseln muss. Festbrennweiten sind meist optisch besser und lichtstärker (besitzen eine größere Offenblende). Zooms sind meist größer und schwerer, Festbrennweiten meist kleiner, leichter und unauffälliger. Die Wahl hängt hier aber sehr stark von den individuellen Anforderungen und Vorlieben ab.

Zusammenfassung

Ein gutes Objektiv ist für die Bildqualität oft wichtiger als die Kamera selbst. Selbst die beste Kamera mit hoher Auflösung kann ihr Potenzial nicht entfalten, wenn ein qualitativ schwaches Objektiv verwendet wird. Mit hochwertigen Objektiven lassen sich hingegen selbst aus Kameras mit durchschnittlicher Leistung beeindruckende Ergebnisse erzielen.

Wer häufig bei schlechtem Licht fotografiert oder gezielt eine schöne Hintergrundunschärfe erzeugen möchte, sollte auf lichtstarke Objektive zurückgreifen, idealerweise auf Festbrennweiten. Für die Gestaltung der Hintergrundunschärfe gibt es den Fachbegriff „Bokeh“. Dieser beschreibt, wie weich oder eben nicht unscharfe Bereiche im Vorder- oder Hintergrund dargestellt werden. Die Qualität des Bokehs ist für viele Fotografen ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Objektivs.